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Vorgeschichte

Teil 4

   Bahar schluchzte inzwischen ebenso wie Scheherazade. Irgendwann fragte sie Scheherazade, ob sie meinte, dass sie immer noch auf der Erde war und einfach nur eine Kraft sie über dem Boden in der Schwebe hielt.

   Scheherazade nahm R7 näher in Augenschein, als ob sie ihm nicht traute. ‚Bist du wirklich ein Wesen aus Eisen?‘ fragte sie ihn. ‚Wie kannst du dann sprechen? Vielleicht bist du ja einer von ihnen!‘

   Wir verstanden nicht, was Scheherazade meinte. Bahar bemühte sich, bei Scheherazade für sich und R7 Vertrauen zu wecken und ihr begreiflich zu machen, dass sie und R7 sich auch auf der Erde befanden, und dass sie mithilfe von R7 mit ihr sprechen konnte. R7 sei ein hochentwickeltes Gerät, versuchte sie zu erklären, das uns half, sie zu sehen, und dass es bestimmt in ihrer Zeit so etwas nicht gegeben hatte.

   ‚Was hilft eine Maschine,‘ entgegnete Scheherazade, ‚solange es Zauberei, Dämonen und Geister gibt, die über alle Fähigkeiten verfügen und tun können, was sie wollen?‘ Dann deutete sie auf sich selbst, seufzte und sagte mit belegter Stimme: ‚Hier ist die Zeit stehengeblieben. Seit Jahren bin ich in diesem Kerker gefangen.‘

   Bahar fragte sie, ob sie das Hexenmonster war.

   Scheherazade senkte verlegen den Kopf: ‚Es ist hässlich und schrecklich, nicht wahr‘?

   Bahar antwortete, dass sie das Hexenmonster für gefährlich hielt.

   Aber Scheherazade verteidigt das Hexenmonster ‚Nein, nein. Es ist ganz harmlos, aber die Leute sollen sich fürchten.‘

   Bahar fragte, wie es denn gekommen war, dass Scheherazade sich in das Hexenmonster verwandelte.

   ‚Als das unsägliche Ereignis geschah und die Katastrophe das Land ereilte, kannte ich die Wahrheit noch nicht. Der Sultan war zu der Erkenntnis gekommen, dass die Wahrsager recht gehabt hatten und es ein Fehler gewesen war, ihrem Rat nicht zu folgen und mich nicht zu töten. Weil er nicht auf sie gehört hatte, war nun das ganze Volk bestraft worden. Die Zauberer und Wahrsager, die die Naturkatastrophe überlebt hatten, gingen wieder zum Sultan und warnten ihn, dass beim nächsten Mal mit Sicherheit alle würden sterben müssen und es keine Ruhe geben würde, solange ich lebte. Als der Sultan den Grund dafür wissen wollte, antworteten sie, dass ich eine Geschichte erzählen würde, die die Völker der Welt aus ihrem Schlaf wecken würde, wenn sie sie zu hören bekämen. Die Menschen würden erfahren, wie Dämonen und böse Wesen hinterlistig und heimtückisch die Welt in ihre Macht gebracht und den Menschen die Freiheit geraubt hatten. Die Dämonen, sagten die Zauberer, würden die Menschen mit fortschrittlichen Mitteln blenden und sie gierig und unwissend machen. Irgendwann würden die Menschen sich selbst und den ganzen Planeten mit eigenen Händen zerstören. Aber wenn sie die Geschichte zur rechten Zeit zu hören bekämen, würden sie sich gegen die Dämonen und Verbrecher erheben und sich aus der Knechtschaft befreien. Wenn diese Geschichte erzählt werden würde, würden viele für das hehre Ziel ihr Leben opfern; das Ziel würde sie einen und aus der Kraft der Gemeinsamkeit würde ihnen Hilfe aus dem Verborgenen zuteil werden.

   Der Sultan fand das beunruhigend, wollte mich aber andererseits nicht verlieren. Er wollte wissen, was für eine Geschichte das war, die für die bösartigen und teuflischen Kräfte so wichtig war. Die Astrologen des Palastes teilten dem Sultan mit, dass aus der Konstellation der Sterne eindeutig erkennbar war, dass eine große Gefahr unmittelbar bevorstand und man sich auf Krieg vorbereiten müsse. Die Wahrsager wussten, dass wir immer noch auf der Erde waren, aber nicht, weshalb wir unsichtbar geworden waren und in der Luft schwebten.

   Eines Tages schickte der Sultan die anderen Haremsdamen weg, um mit mir allein zu sein. Er wollte von mir wissen, was das denn für eine Geschichte war, die mich so gefährlich machte. Ich hatte keine Ahnung, was für eine Geschichte er wohl meinen könnte. Ich schwor, dass ich es nicht wusste. Daraufhin erzählte er mir alles und ließ mich ihm versprechen, dass – wenn ich einmal eine Geschichte erzählen wollte – ich sie ihm zuerst erzählen sollte. Danach war der Sultan allerdings mir gegenüber ganz verändert und mir war klar, dass er mir nicht glaubte, denn seither hält er mich in dieser Kerkerkammer gefangen. Eines Tages kam er mit einem seiner Wahrsager zu mir. Er nahm meine Hand und erklärte, dass er mich liebte, aber in dieser Sache keine andere Wahl hatte. Dann reichte ihm der Wahrsager einen Trank und sie drängten mich, ihn zu schlucken. Ich wusste, dass sie mich töten wollten. Ich weigerte mich, schob ihre Hände weg und versuchte, ihnen zu entkommen. Da flößten sie mir den Trank mit Gewalt ein. Nachdem ich ihn geschluckt hatte, breitete sich ein brennendes Gefühl in meinem Körper aus. Tage und Nächte lang schrie ich vor Schmerzen. Der Sultan besuchte mich jeden Tag und schwor mir, er habe das für mich getan. Ich sah mich jeden Tag im Spiegel an und merkte, wie mein Körper sich langsam veränderte.

   Meine Hände wurden groß und behaart. Die Zähne und der Kiefer wurden immer größer. Ich hatte furchtbare Schmerzen und schrie, aber niemand kam mir zu Hilfe. Eines Tages wurden auf Befehl des Sultans meine Sachen, auch die Spiegel, entfernt und anstelle dessen die Tierknochen und -schädel hingelegt. Irgendwann verlor ich vor Schmerzen das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, fing ich wieder an zu weinen. Ich berührte mein Gesicht. Ich wollte mich im Spiegel ansehen, aber da war kein Spiegel mehr. Da verstand ich, dass sie erreicht hatten, was sie wollten, und dass an diesem Tag Scheherazade gestorben und das Hexenmonster geboren war. Ich konnte nicht mehr sprechen und begann sogar, wie ein Ungeheuer zu denken. Sie hatten mir nicht nur den Körper genommen, sondern auch meinen Geist und meine Seele.

   Als der Sultan in mein Zimmer kam, habe ich ihn angegriffen. Das Hexenmonster, das er vor sich sah, flößte ihm Furcht ein. Daraufhin legten mich die Wachen in Ketten. Tief in meinem Innern war ich manchmal noch Scheherazade und manchmal nur das Hexenmonster. Ich wollte kein Hexenmonster sein. Ich wollte ich selbst sein und das Hexenmonster vernichten. Ich schlug den Kopf gegen die Wand und weigerte mich, zu essen. Aber es war alles vergeblich. Das Hexenmonster war stärker als ich und wollte am Leben bleiben. Im Laufe der Zeit habe ich mich mit meiner Lage abgefunden. Mein einziger Freund war Gott und ich wusste, dass er immer bei mir ist.

   Die Leute dachten, ich wäre tot, und bald vergaß mich auch der Sultan und feierte mit seinem Gefolge prächtige Feste und ausschweifende Gelage, als ob nichts geschehen wäre. Eines Tages verdunkelte eine schwarze Wolke den Himmel. Feurige Lanzen fielen herab und gingen auf die Soldaten nieder. Überrumpelt wehrten sie sich nicht und die bösen Mächte durchbohrten sie. Die Leichen der Soldaten säumten den Weg der finsteren Wesen, die den Sultan aufsuchten, der gerade mitten in einem Gelage seinen Ausschweifungen frönte. Als die finsteren Gestalten dem Sultan tote Soldaten vor die Füße warfen, wandte er sich ihnen zu. Die Teufelswesen waren von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet und hatten nur eine Frage: Wo ist Scheherazade? Der Sultan war betrunken und antwortete, es gebe keine Scheherazade mehr, sie sei längst tot. Der ganze Harem zitterte und bebte vor Angst und Schrecken. Die schwarzen Gestalten trieben die Frauen zusammen und durchsuchten alle Ecken und Winkel des Palasts. Sie zerrten schließlich Mägde und Diener in den Festsaal, und am Ende fanden sie mich in meiner Kerkerkammer. Das grausige Wesen, das in meine Kammer trat, nahm eine Gestalt nach der anderen an, als es mich gewahrte, und zeigte sich schließlich in derselben Gestalt wie ich, als ein Ungeheuer, wie ich selbst eines war. Vielleicht war ich ja eine von ihnen, zumindest schien der Eindringling das zu denken, denn er behandelte mich freundlich, strich mir übers Fell und ließ die Tür offen, als er wieder zu einer schwarzen Schreckensgestalt wurde und den Kerker verließ.

   Ich ging aus der Kammer hinaus und lief verängstigt durch die dunklen Gänge. Ich ging die Treppen hinunter zum Hof, auf den ich aber nicht hinauszutreten wagte. Durch ein Fenster blickte ich in den Festsaal, wo die schwarzen Gestalten unter den Haremsfrauen Angst und Schrecken verbreiteten. Die Frauen baten sie, sich entfernen zu dürfen, aber die Schwarzgewandeten waren nur umso grausamer und bedrängten sie, endlich zu sagen, welche von ihnen Scheherazade war. Die Frauen beschworen ihre Peiniger, ich sei tot. Der Anführer der schwarzen Horde nahm die Gestalt eines kräftigen, großen, wie ein Sultan gekleideten Mannes an und stellte sich vor den Sultan hin. Er drohte ihm, dass er mich nicht vor ihnen retten konnte und sie alle seiner Macht unterstünden. Er ging daraufhin zu den Haremsdamen und legte ihnen die Hand auf den Kopf, woraufhin sie in sich zusammensackten und zu Boden gingen. Der Sultan und seine Begleiter wagten nicht zu sprechen. Die Gespenster töteten mehrere Frauen aus dem Harem und verschwanden dann.

   Das ist jetzt viele Jahre her. Sie kommen oft hierher und durchsuchen alles. Seitdem weiß ich, dass der Sultan Recht hatte. Er hat mir den Trank eingeflößt, um mein Leben zu retten.

   Je mehr Zeit verging, desto mehr von Scheherazade fand in mir den Weg ins Leben, bis ich irgendwann in meinem Innern mehr Scheherazade war als Hexenmonster. Ich fragte mich, ob ich in meiner Gestalt für immer ein Hexenmonster bleiben würde, und suchte nach einem Weg, den Bann des Zaubertranks zu brechen. Tag und Nacht sann ich darüber nach, was das für eine Geschichte sein könnte, die angeblich zu erzählen hätte, es war jedoch vergeblich. Zuvor hatte ich dem Sultan jeden Abend eine Geschichte erzählt, aber jetzt fiel mir nichts ein, was mich aus dem Bann erretten könnte. Irgendwann gab ich die Hoffnung auf.

   Bis ich eines Nachts träumte, ich sei in einer heißen, stickigen Höhle. Ich sah an mir hinunter und stellte fest, dass ich kein Ungeheuer mehr war. Ich war überglücklich. Dann hörte ich Kinder im Wasser spielen. Ich ging hin und sah mir die Kinder eingehend an. Es waren keine gewöhnlichen Kinder. Zwei von ihnen hatten Flügel. Ein anderes tauchte manchmal in der Gruppe auf und verschwand dann wieder. Eines goss eine Art Regen auf sie herab und materialisierte sich dann. Ein anderes bestand aus einem wabernden, glühenden Stoff, um dann wieder eine feste Gestalt anzunehmen. Ich war sehr verwundert und überlegte mir, ob ich die Kinder ansprechen sollte oder lieber nicht. Zuletzt nahm ich meinen Mut zusammen und ging auf die Kinder zu. Sie waren so beschäftigt, dass sie mich gar nicht bemerkten. Sie fingen bunte Fisch, die wie Lampen leuchteten und auf und ab sprangen, und ließen sie dann wieder frei. Ich ging näher und sprach die Kinder an. Sie nahmen mich gar nicht wahr. Sie stiegen aus dem Wasser und ich folgte ihnen in meinem Traum, als sie gen Himmel flogen. Dort war es so herrlich, dass ich die Kinder aus den Augen verlor. Ich sah in den Himmel hinein, der voll schöner Landschaften war, die in der Luft schwebten. Sie erinnerten mich an das Land des Sultans. Dann verspürte ich eine große Müdigkeit und legte mich auf eine Wolke. Es war ein wunderbares Gefühl. Plötzlich änderte die Wolke ihre Form und wurde zu einer Art Höhle. Neugierig ging ich hinein. Die ganze Höhle war von rotem Licht erleuchtet, das aus einem glänzenden Stein kam. Ich ging auf den Stein zu, hob ihn ohne Nachzudenken auf und schloss meine Faust um ihn. Auf einmal überkam mich ein seltsames Gefühl und ich wollte so schnell wie möglich hinaus aus der Höhle, aber plötzlich begann nicht nur meine Hand zu brennen, sondern meinen ganzen Körper durchströmten die Wärme und die Energie des Steins. Das machte mir Angst. Ich versuchte, die Hand zu öffnen und den Stein wegzuwerfen. Ich wollte fliehen, aber ich konnte nicht. Die Wärme des Steins durchdrang meinen ganzen Körper. Ich rief und bat das Hexenmonster, mir zu Hilfe zu kommen. Ich wusste, wenn ich wieder das Hexenmonster wäre, hätte ich die Kraft, das zu überleben. Aber vergeblich. Ich leistete Widerstand und betete zu Gott, er möge mich in meine Kammer zurückbringen. Ich war immer noch mit mir und dem Stein beschäftigt, da hörte ich, wie die eiserne Tür geöffnet wurde und die Wachen mir das Essen in den Kerker warfen. Im Traum öffnete ich die Hand, um den Stein fallen zu lassen, in der Wirklichkeit war ich wieder das Hexenmonster im Kerker. Was ich erlebt hatte, war nur ein Traum gewesen.

   Einige Zeit später hatte ich jede Nacht denselben Traum. Als wieder einmal das Mondlicht in meine Kammer schien, ging ich  zur Öffnung in der Wand und starrte in den Mond. Dann schlief ich ein. Nach kurzer Zeit wachte ich auf mit einem heißen brennenden Gefühl in der Handfläche. Ich richtete meinen Blick auf die Stelle, und auf einmal strömte ein Licht aus meiner Hand, in dem ich alles, was ich geträumt hatte, sehen konnte. Mit eigenen Augen sah ich die Geschichte, die ich den Menschen erzählen sollte, die geheimnisvolle Geschichte, die den Menschen vorenthalten werden sollte. Ich merkte mir genau, was ich sah, und wiederholte im Stillen, was gesprochen wurde, um es eines Tages wortwörtlich erzählen zu können.‘

   Scheherazade schaute R7 zufrieden an und erklärte bestimmt: ‚Ja, ich erhielt ihre Geschichte und ihre Botschaft.‘

   Bahar und ich waren höchst verwundert über alles, was wir gehört und gesehen hatten. Bahar erklärte Scheherazade, dass ihr alles, was sie ihr erzählt hatte, immer noch ziemlich befremdlich erschien und sie es irgendwie nicht fassen konnte, dass sie aber andererseits, je länger sie darüber nachdachte, den Eindruck hatte, dass das Ganze eine Art vorbestimmter Weg sei, auf dem wir uns alle befänden.

   Scheherazade meinte daraufhin, wir seien auch ausgewählt, um ihr bei ihrer Aufgabe zu helfen, allen die Geschichte zu erzählen und sie überall auf der Welt bekannt zu machen. Außerdem war sie überzeugt, dass – wenn wir unseren Teil der Aufgabe erfüllten – sie selbst von dem Fluch befreit werden würde.

   Bahar gab zu bedenken, dass Scheherazade gewiss des Todes war, wenn ihr Geheimnis bekannt wurde, um zu verhindern, dass sie die Geschichte erzählte.

   Scheherazade sah ihren Retter, den metallenen R7, an, herzte ihn und sagte: ‚Wenn meine Geschichte mithilfe dieses eisernen Vogels der Menschheit zu Ohren kommt, dann habe ich meine Pflicht erfüllt, egal, ob ich dann noch lebe oder nicht. Ich lasse nicht davon ab, und jetzt freue ich mich, dass ich nicht mehr allein bin.‘

   Das Mondlicht wurde immer mehr schwächer. Bahar und ich sahen, dass Scheherazade sich gerade wieder verwandelte. Bahar bat sie, R7 an einen sicheren Ort zu bringen, damit ihn das Hexenmonster nicht beschädigte. Scheherazade erfüllte Bahars Wunsch und legte sich dann auf den schwarzen Stein. Wir sahen das traurige Gesicht des Hexenmonsters, das uns nun nicht mehr fremd war, und beweinten Scheherazades schweres Los. Danach fanden wir keine Ruhe mehr, vor allem Bahar nicht, denn sie wollte jetzt alles zum Guten führen. Sie hoffte, sie könnte, bevor es zu spät war, die Geschichte in der ganzen Welt bekannt machen und Scheherazade von dem Bann befreien. Sie wollte, dass jeder erfuhr, was noch Furchtbares kommen würde.“

   „Es ist wirklich erstaunlich“, sagte Wolfgang mit gesenktem Kopf, „wie es euch mit eurem Wissen und euren Fähigkeiten gelungen ist, dieser Geschichte auf die Spur zu kommen, und dass ihr damit nun die Zukunft ändern könnt. Ich bin sehr stolz auf euch.“

   „Bahar hatte Angst“, fuhr José fort. „Ich habe ihr gesagt, dass wir von jetzt an gegenüber dem Institut sehr vorsichtig sein müssen, zumal wir ohnehin schon unter Verdacht standen. Ich drängte sie, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich so normal wie möglich zu verhalten. Ich fragte sie, ob ihr klar war, dass es dem Institut um die Geschichte von Scheherazade ging. Ich erklärte ihr, dass es nun ihre Aufgabe war, die Geschichte von Scheherazade an alle zu schicken, denen sie vertraute, und zu verschwinden, sobald sie das erledigt hatte. Ich nahm ihr das Versprechen ab, dass sie meinem Rat folgen würde.

   Bahar versprach es mir unter Tränen.“

   Wolfgang fiel es schwer, das Gehörte zu erfassen. Er sah José verwirrt an. „Habt ihr denn jetzt die ganze Geschichte von Scheherazade?“

   „Bahar hat alles, was sie von R7 aufgenommen hatte, wie ein Puzzle in viele Teile zerstückelt,“ antwortete José. „Jedes Stück ist mit einem Code versehen. Dann hat sie die Teile an ihre Internet-Freunde auf der ganzen Welt geschickt, so dass niemand die Geschichte vollständig hat. Sie hat dann ihre Freunde beauftragt, die Codes der Puzzleteile, die sie erhalten hatten, zu knacken, um einen Teil der Geschichte zu entschlüsseln. Sie müssen nun die Teile zusammensetzen, damit die ganze Geschichte entsteht. Bahar will so allen Menschen auf der Welt die Geschichte bekanntmachen und die Völker der Welt vereinen. Ich hoffe, dass Bahar jetzt in Sicherheit ist.“

   „Ist denn etwas passiert?“ fragte Wolfgang.

   „Nachdem ich ein paar Tage nichts von Bahar gehört hatte, ging ich zu ihr nach Hause“, berichtete José. „Ihre Mutter öffnete die Tür und fing an zu weinen, sobald sie mich sah. Drinnen herrschte ein riesiges Durcheinander. Alle Computer waren zerstört. Bahars Mutter fragte mich, ob ich wusste, wo Bahar ist. Ich sagte ihr, dass ich auch keine Ahnung habe und dass Bahar, als wir uns das letzte Mal gesehen hatten, darauf bestanden habe, dass ich alle Daten auf meinem Computer lösche. Sie sei ganz durcheinander gewesen, berichtete ich ihrer Mutter, und seither hätte ich sie nicht mehr gesehen.

   Wir sollten uns heute Abend auch davonmachen und eine Zeit lang von der Bildfläche verschwinden“, wandte sich José an Wolfgang.

   „Das geht nicht“, gab Wolfgang entsetzt zurück. „Wir müssen zuerst ins Institut und alles löschen. Sie dürfen keinen Zugriff auf unsere Daten haben.“

   José beugte sich zu Wolfgang hinüber und flüsterte ihm ins Ohr: „Mein Plan war, dich vom Institut wegzulotsen. Ich habe alles vorbereitet und die Computer so programmiert, dass um Mitternacht alle Daten automatisch gelöscht werden. Keine Sorge, keiner wird etwas finden.“

   Wolfgang trank erleichtert sein Glas leer. Dann nahm er seine Jacke und meinte: „Worauf wartest du noch? Ich bin dabei.“

   Als Wolfgangs Kollegen am nächsten Morgen in den Kontrollraum gingen, erwartete sie dort der Institutsleiter. Er teilte ihnen mit, die Mitarbeiter Wolfgang Koch und José Gonzales seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

   „Bedauerlicherweise“, ließ er sie wissen, „müssen wir nun ohne sie weitermachen.“

   Die Kollegen schauten einander ungläubig an. Keiner hatte etwas von einem Unfall in der Zeitung gelesen oder im Radio gehört. Die Nachricht machte alle sehr betroffen.

   Als Wolfgangs und Josés Kollegen die Computer anschalteten, blieben die Bildschirme schwarz. Alle Daten waren gelöscht. Der Institutsleiter lief völlig außer sich von einem Arbeitsplatz zum anderen. Er schob die Mitarbeiter zur Seite und machte sich an jedem Computer selbst zu schaffen. Aber auch er konnte nichts ausrichten. José hatte alles gut durchgedacht und sein Plan war aufgegangen.

 

Zusammenfassung

In Scheherasades Geschichte geht es um ein neugeborenes Wesen, das der letzte Überlebende eines zerstörten Planeten ist. Das Schicksal dieses Wesen ist vorbestimmt. Es wird von Engeln im fünften und sechsten Himmel großgezogen, um es auf seine Mission zur Rettung der Erde vorzubereiten. Dieses neugeborenes Wesen muss nun in die Vergangenheit seines Planeten zurückkehren, um herausfinden, warum das Böse seine Heimat zerstört hat.

seine Mission auf der Erde besteht darin, die Bewohner der Erde vor den drohenden Zerstörungen ihres Planeten durch das Böse zu warnen. Die Vorbereitung mit den Engeln im Himmel hat zum Ziel, das Schicksal des Planeten Erde auch mit Hilfe der Menschen zu ändern.